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Notfall

„Wir behandeln alle Kinder so, als wären sie unsere eigenen“

„Wir behandeln alle Kinder so, als wären sie unsere eigenen“

Klinikdirektor Dr. Micha Bahr gibt Einblick in seine Arbeit als Kinderchirurg am Klinikum Ingolstadt

Dr. Micha Bahr ist Arzt. Doch manchmal ist er auch Polizist, Prinzessinnenversteher oder einfach Freund. Denn Dr. Bahr ist Kinderchirurg, seit rund dreieinhalb Jahren leitet er die Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie im Klinikum Ingolstadt. Seine jüngsten Patienten sind gerade erst ein paar Minuten alt, die ältesten stehen kurz vor dem 18. Geburtstag.

„Die Arbeit mit Kindern ist anders als mit Erwachsenen“, erklärt er. „Es ist wichtig, dass man ihnen nicht als Arzt gegenübertritt, sondern ganz einfach auf Augenhöhe. Wir lachen viel mit unseren kleinen Patienten, wir spielen mit ihnen und hören uns an, welche Ängste sie haben.“ Gleichzeitig müsse man die Eltern mit ins Boot holen und auch ihnen ein gutes sicheres Gefühl vermitteln. „Es ist immer ein bisschen der Spagat zwischen kompetentem Kinderchirurgen und Klinikclown“, sagt Dr. Bahr schmunzelnd.

Kinderchirurgie am Klinikum Ingolstadt (Hinweis: Dieses Foto wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen)

Das Behandlungsspektrum der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie im Klinikum Ingolstadt ist weit und umfasst insgesamt neun Teilbereiche – die meisten chirurgischen Bereiche, die es für Erwachsene gibt, gibt es auch für Kinder. Von der Urologie, über die Tumorchirurgie bis hin zur Gynäkologie und plastischen Chirurgie. Einen der Hauptschwerpunkte in der Arbeit der Kinderchirurgen des Klinikums bildet die Frühchen- und Neugeborenenchirurgie. Als Perinatalzentrum Level 1, das in Kooperation mit der KJF-Klinik Sankt Elisabeth betrieben wird, sind die Experten um Dr. Bahr auf chirurgische Eingriffe bei Früh,- und Neugeborenen spezialisiert. Manche ihrer Patienten bringen gerade einmal 350 Gramm auf die Waage. Kommt ein Baby mit einer Fehlbildung auf die Welt, ist es im Klinikum Ingolstadt in besten Händen.

Die am weitesten verbreitete Fehlbildung bei Neugeborenen ist der angeborene Leistenbruch. „Daher ist das auch der häufigste Eingriff, den wir vornehmen“, weiß Dr. Bahr. Weitere Fehlbildungen, die öfter auftreten, sind der Hodenhochstand oder betreffen die Lunge, den Schädel oder den Darm. Aber: „Jede Fehlbildung ist etwas anders“, erklärt er, „ganz einfach, weil jeder Mensch anders ist.“ Seine Aufgabe sei es, das Problem zu erkennen und dann schnell zu wissen, was zu tun ist. Um den Bauch eines Frühchens zu operieren, hat man beispielsweise maximal 45 Minuten Zeit. Da müsse jeder Handgriff sitzen, jede Minute sei wertvoll. „Wenn ich im OP stehe, vergesse ich alles um mich herum. Ich fokussiere mich voll und ganz auf meine Aufgabe“, beschreibt er.

Für den erfahrenen Mediziner bringt die Behandlung von Kindern eine ganz besondere Art der Verantwortung mit sich: „Was wir operieren, muss so gut werden, dass es hält − der Patient hat schließlich noch sein ganzes Leben vor sich.“ Zwar sei das Gewebe von Kindern generell noch regenerationsfähiger als das von Erwachsenen, dennoch sei für ihn eine Operation – abgesehen von Notoperationen − immer nur das letzte Mittel. „Jede OP kann Komplikationen mit sich bringen und lebenslange Folgen haben“, sagt er. „Wir schauen lieber zweimal hin und prüfen unsere Möglichkeiten.“

Muss tatsächlich operiert werden, sei es enorm wichtig, gute Aufklärung zu leisten. „Wir müssen es schaffen, dem kleinen Patienten die Angst zu nehmen und genauso seinen Eltern“, sagt Dr. Bahr. Er sagt: Wer Kinder behandelt, behandelt eigentlich die ganze Familie. Das erfordere viel Geduld und Zeit – die sich der Chefarzt und seine Kollegen aber gerne nehmen. Als dreifacher Familienvater kann er die Ängste und Sorgen der Eltern gut nachvollziehen. „Kinder und Eltern sollen bei uns spüren, dass wir für sie da sind“, sagt Dr. Bahr. „Wir behandeln alle Kinder so, als wären sie unsere eigenen.“

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