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Depression in den Wechseljahren: Sind die Hormone Schuld?

Depression in den Wechseljahren: Sind die Hormone Schuld?

Wenn Frauen in die Wechseljahre kommen, hängt das mit den Hormonen zusammen − ganz egal, was derzeit in der Welt los ist. Die Menopause bringt für die betroffenen Frauen nicht nur körperliche Veränderungen mit sich, sondern auch häufig soziale Umbrüche. Tatsächlich hat die hormonelle Umstellung aber keine unmittelbare Auswirkung auf die seelische Gesundheit. Bei einer Depression in den Wechseljahren spielen viele Ursachen eine Rolle. Psychiaterin Dr. Serena Zwicker-Haag klärt auf.

Frauen können während der Wechseljahre an körperlichen und seelischen Beschwerden leiden. Dazu gehören Hitzewallungen, Muskel- und Gelenkschmerzen, die Abnahme der sexuellen Lust, aber auch Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen. Als deren Ursache galten lange Zeit die hormonellen Veränderungen vor und nach der Menopause. Eine Studie von 2015 belegt allerdings, dass lediglich Hitzewallungen und Schweißausbrüche direkt auf die hormonelle Umstellung zurückzuführen sind.
Weitere körperliche Beschwerden nehmen bei Frauen und Männern mit zunehmendem Alter gleichermaßen zu. Und auch seelische Erkrankungen werden nicht unmittelbar durch die Menopause verursacht. „Wir wissen, dass Depressionen bei Frauen in den Wechseljahren nicht häufiger vorkommen als in anderen Altersklassen. Daher kann man auch nicht sagen, dass Wechseljahre eine seelische Erkrankung auslösen. Symptome, die mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht werden, können während der gesamten Lebensspanne auftreten“, erklärt Dr. Serena Zwicker-Haag, Bereichsleitende Oberärztin im Zentrum für Psychische Gesundheit: „Die Menopause kann das i-Tüpfelchen auf unterschiedlichen Depressionsauslöser sein, aber sie ist nicht alleinig ursächlich.“

Eine Zeit des Umbruchs
Viele Frauen zwischen 50 und 60 Jahren erleben in der Phase der körperlichen Veränderungen auch soziale Brüche: Sei es die Scheidung vom Partner, Druck im Berufsleben, die Kündigung, der gefühlte Verlust des Jung-Seins oder weil die Kinder das Haus verlassen und als Lebensmittelpunkt wegfallen. Diese Erlebnisse können zu Trauer, Stress und Einsamkeit führen. Faktoren, die eine Depressionserkrankung begünstigen. „Frauen haben in dieser Lebensphase oft das Gefühl, dass sie nicht mehr gebraucht werden. Auch die Gesellschaft produziert rund um das Thema Wechseljahre per se eine negative Erwartungshaltung“, beschreibt die Expertin die Situation für viele Frauen. „Die Ursachen einer Depression sind vielschichtig und die Erkrankung entwickelt sich so durchaus schon weit vor dem Beginn der Menopause.“

Depression erkennen und richtig (be-)handeln
„Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Ein- und Durchschlaf-Störungen, Konzentrationsverlust, Ängste, Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken, Appetitlosigkeit, Kopf- und Magenschmerzen: Wer diese Symptome einer Depressionserkrankung über zwei Wochen oder länger an sich wahrnimmt, sollte unbedingt ambulant einen Arzt aufsuchen,“ rät Dr. Zwicker-Haag. „Denn dabei handelt es sich meist um eine ernsthafte psychische Erkrankung.“ Generell können im Rahmen der ambulantern Versorgung Ursachen der Symptomatik geklärt und viele depressive Erkrankungen auch sehr gut therapiert werden.
Betroffene, die eine akute Behandlung benötigen, können über die Notfallklinik ins Zentrum für psychische Gesundheit (ZPG) aufgenommen werden. In anderen Fällen überweist ein niedergelassener Arzt ins ZPG. Dabei steht je nach Schweregrad der Depression eine stationäre oder eine teilstationäre Therapie zur Verfügung. „Die Behandlung einer depressiven Erkrankung unterscheidet sich bei Frauen in den Wechseljahren nicht von der in einer anderen Lebensphase oder der von Männern“, erklärt die Psychiaterin.
Die Behandlung im Zentrum für psychische Gesundheit im Klinikum besteht in der Regel aus zwei Säulen, der psychotherapeutischen und der medikamentösen. „Jede Therapie ist individuell auf die Patientin ausgelegt“, erklärt Dr. Zwicker-Haag: „Dazu gehören die Medikation sowie die gruppentherapeutischen Konzepte, Einzelgespräche, Arbeits- und Bewegungstherapie sowie Ruhe und Entspannungsphasen.“ Eine stationäre sowie teilstationäre Behandlung dauert in der Regel acht bis zwölf Wochen.

Prävention
„Viele Frauen vernachlässigen sich oft Jahre lang selbst“, weiß Dr. Zwicker-Haag: „Daher rate ich zu einem bewussten Leben. Und das nicht erst ab den Wechseljahren, sondern weit vorher. Frauen, gleiches gilt auch für Männer, sollten die Fürsorge für sich selbst nicht vergessen.“ Wer sich den Veränderungen während des Lebens stellt und sich seiner unterschiedlichen Rollen bewusst ist und diese annimmt, ist auch für die Wechseljahre gut gerüstet. „Umbrüche im Leben sollten als Chance gesehen werden“, empfiehlt die Expertin. Wichtig ist ihr auch, die Wechseljahre nicht als eine durch und durch negative Lebensphase zu fürchten. „Frauen brauchen keine Angst vor dieser Zeit haben und sollten sich nicht von den Geschichten Älterer verunsichern lassen. Und wer an einer Depression erkrankt, findet im Zentrum für Psychische Gesundheit im Klinikum qualifizierte medizinische und therapeutische Hilfe.“

Dr. Serena Zwicker-Haag, Bereichsleitende Oberärztin des Zentrums für psychische Gesundheit am Klinikum Ingolstadt
Dr. Serena Zwicker-Haag, Bereichsleitende Oberärztin des Zentrums für psychische Gesundheit am Klinikum Ingolstadt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie brauchen Hilfe?

Wer therapeutische Hilfe sucht, kann sich an die Experten im Zentrum für Psychische Gesundheit im Klinikum Ingolstadt wenden: Terminvereinbarungen sind Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr unter der Rufnummer (0841) 880-2243 möglich. Soforthilfe leistet der Krisendienst Psychiatrie unter der Telefonnummer (0180) 655 300-0.

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