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Notfall

Mit dem Reisepass auf große Fahrt mit „Wollie“

Mit dem Reisepass auf große Fahrt mit „Wollie“

Lupenreine chirurgische Instrumente auf höchstem Qualitätsniveau tragen einen wesentlichen Teil zur sicheren Patientenversorgung im OP-Saal bei. Doch wer ist dafür verantwortlich und wie wird OP-Besteck gereinigt? Der Klinikkurier hat einen Blick in einen Bereich geworfen, der im Verborgenen arbeitet– und doch von zentraler Bedeutung ist: die Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte, kurz AEMP

 Jede Siebschale, die ein Instrumentenset enthält, ist mit einem Barcode versehen. „Das ist sozusagen der Reisepass der OP-Instrumente und Materialien. Dort wird gespeichert, welcher Patient mit den Instrumenten behandelt wurde und wer diese danach wiederaufbereitet hat“, erklärt Silke Röhm, Leiterin Ökologie und Umwelt, Zentralsterilisation.

Nach dem Einsatz der Instrumente im OP beginnt ihre Reise durch die Wiederaufbereitungseinheit. Im sogenannten unreinen Bereich werden die Bestecke und Instrumente in ihre Einzelteile zerlegt, gereinigt und thermisch desinfiziert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen hier neben ihrer eigentlichen Funktionskleidung einen großen Schutzmantel sowie einen Gesichtsschutz. Das Arbeitsumfeld: zahlreiche Waschbecken mit speziellen Reinigungsmitteln und ein großer metallener Arbeitstisch auf dem die Instrumente auseinandergenommen werden. Den unreinen Bereich vom reinen trennen große Waschanlagen. Das ist das nächste Reiseziel der OP-Bestecke.

Den Barcode scannen und dann kann die Reise losgehen: In der Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (AEMP) werden jährlich Hunderttausende chirurgische Instrumente professionell gereinigt.
Den Barcode scannen und dann kann die Reise losgehen: In der Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (AEMP) werden jährlich Hunderttausende chirurgische Instrumente professionell gereinigt.

 

Hohe Verantwortung für die Sicherheit der Patienten

Im reinen Bereich überprüfen die Mitarbeitenden jedes noch so kleine Instrumententeilchen ganz genau, ob es zu 100 Prozent sauber und unbeschädigt ist. „Wir tragen eine hohe Verantwortung für die Patientensicherheit“, betont Röhm. Erst wenn sich die Aufbereiter ganz sicher über den Zustand der Instrumententeile sind, setzen sie das Material wieder zusammen und verpacken es in spezielle Container.

„Die Palette der Instrumente, die wir aufbereiten, wächst stetig. Neben Klemme, Schere und Pinzette sind beispielsweise auch Bohrmaschinen, Optiken oder Funktionsarme für Operationsroboter im Einsatz. Jede Instrumentenart stellt andere Anforderungen an die Aufbereitung. Besonders herausfordernd sind Instrumente, die Hohlräume besitzen“, erklärt Iris Schindler, Sachgebietsleiterin für die AEMP. Um die hohe Qualität der Aufbereitung durchgehend sicherzustellen, führt die Abteilung umfangreiche Maßnahmen durch. „Dazu gehören Prüfkörper, die in den Maschinen mitfahren. Erst wenn diese Tests erfolgreich bestanden wurden, werden die Reinigungsanlagen in Betrieb genommen. Außerdem gehören Messungen von Prozessparametern wie Temperatur und Druck, Testchargen oder Stichprobenkontrollen zur Qualitätssicherung.“

Der letzte Schritt: Transportroboter „Wollie“ bringt die Instrumente auf Ebene 6. Jetzt sind sie wieder bereit für den nächsten Einsatz.

134 Grad für absolute Reinheit

Die eigentliche Sterilisation der Instrumente findet im nächsten Schritt statt. Die sauberen OP-Instrumente, die nun in Containern mit Unter- und Überdruckventilen sowie in Vlies verpackt sind, werden erneut in eine Anlage geschoben, den Sterilisator. Dort wird aus den Containern und den Vlies-Paketen die Luft herausgezogen, damit der Dampf mit 134°C und zwei Bar Überdruck einströmen kann. Das sind die Bedingungen für die Sterilisation. Der Vorgang dauert insgesamt rund eineinhalb Stunden. „Die eigentliche Sterilisation ist nur fünf Minuten lang“, berichtet Schindler.Übrigens steht eine Maschine zusätzlich immer als Reserve für Notfälle bereit. Denn jedes OP-Set steht im Normalfall einmal täglich zur Verfügung. Die zusätzliche Anlage ermöglicht es, flexibler zu reagieren und den Sterilisationssprozess bei dringendem Bedarf ohne Wartezeit sofort zu starten.

Die Reise der chirurgischen Instrumente in der AEMP nähert sich langsam dem Ende. Nach der Sterilisation unterliegen die Container und Päckchen wieder der Kontrolle eines Mitarbeitenden. Noch einmal wird jedes Set gescannt und freigegeben. 2018 haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AEMP insgesamt 121.000 Sets aufbereitet. Wobei ein Set aus bis zu 130 Einzel-Instrumenten bestehen kann.

Jetzt kommt „Wollie“ ins Spiel. Das ist der automatische Transportroboter mit dem liebevollen Namen, der die Instrumente auf Ebene 6 im Klinikum zu ihrem nächsten Einsatz am Patienten bringt.

 

Daten und Fakten zur AEMP im Klinikum Ingolstadt

  • Insgesamt arbeiten 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Abteilung AEMP
  • Die AEMP arbeitet nach einem zertifizierten Qualitätsmanagementsystem nach der DIN EN ISO 13485.
  • Die Abteilung ist anerkannte Bildungsstätte der DGSV (Fachgesellschaft Deutsche Gesellschaft für Sterilguversorgung) und bietet Fachkunde I- Lehrgänge, Sachkundelkehrgänge für die Aufbereitung flexibler Endoskope und sogenannte Refresher-Kurse zur Aktualisierung der Kenntnisse an.
  • Wer die Berechtigung hat, Sterilgut freizugeben, muss technischer Sterilisationsassistent mit Fachkunde I sein.
  • Zur Schichtleitung oder zur Aufbereitung von besonders kritischen Medizinprodukten (sogenannten kritisch C Produkten, etwa flexiblen Endoskopen) ist Fachkunde II erforderlich.

 

 

 

 

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