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Notfall

Schwache Blase, lästiger Harndrang

Schwache Blase, lästiger Harndrang

Der Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Ingolstadt, Prof. Andreas Manseck, erklärt, wie er Patienten mit Blasenbeschwerden und ständigem Harndrang hilft

Viele, vor allem ältere Menschen kennen das: Sie wachen in der Früh gerädert auf. An Durchschlafen war nicht zu denken – ihr Harndrang hat sie in der Nacht gleich mehrmals zum Gang zur Toilette gezwungen. „Wenn Leistungsfähigkeit und Wohlempfinden durch den Harndrang eingeschränkt werden, sprechen wir von einem lästigen Harndrang“, erklärt Prof. Andreas Manseck, Direktor der Klinik für Urologie am Klinikum Ingolstadt. Die Harnblase eines Erwachsenen kann zwischen 300 und 500 Milliliter Flüssigkeit fassen.

Auch stark gewürzte Speisen verursachen Harndrang


Auslöser eines gesteigerten Harndranges können Medikamente, Übergewicht und Krankheiten wie Diabetes sein.

Bei einer Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2 Litern am Tag wären vier bis sechs Toilettengänge normal und tatsächlich spricht auch die Deutsche Kontinenzgesellschaft bei zwei nächtlichen Toilettengängen noch von einem normalen Harndrang. Das allerdings seien laut Prof. Manseck nur Richtwerte. „Was als normal empfunden wird, ist immer subjektiv und hängt auch mit der Lebensweise zusammen. Wer viel trinkt, muss natürlich öfter zur Toilette als jemand, der weniger trinkt. Auch, wer stark gewürzte Speisen isst, wird die Toilette häufiger aufsuchen. Lästig wird Harndrang dann, wenn er nicht mehr zum eigenen Normalempfinden passt und die Person in ihrem Leben einschränkt.“

 „Bei Männern steckt oft die Prostata dahinter. Wenn diese entzündet ist, führt das häufig auch zu Reizungen der Blase“, so der Mediziner. Die Folge: Die Blase meldet sich bereits, bevor sie ganz gefüllt ist. Prostatabeschwerden gehen meist mit dem Älterwerden einher. Der Körper verändert sich, die Prostata wird größer und bereitet dem Mann Beschwerden. Auch bei Frauen treten Probleme mit dem Harndrang in den meisten Fällen erst im fortgeschrittenen Alter auf. „Die Stabilität des Beckenbodens lässt im Laufe der Zeit nach. Er senkt sich dadurch ab und zieht Harnröhre und -blase mit nach unten – was dann zu gesteigertem Harndrang führen kann“, erklärt Prof. Manseck. Geburten verstärken die Erschlaffung des sogenannten Halterapparates im Unterleib der Frau zusätzlich. Neben diesen Alterserscheinungen kann lästiger Harndrang aber auch andere Ursachen haben. Übergewicht und Krankheiten wie Diabetes können Auslöser eines gesteigerten Harndranges sein genauso wie manche Medikamente.


Toilettengänge in der Nacht halten viele Menschen wach. Mindert der Harndrang das subjektive Wohlempfinden, spricht man von einem lästigen Harndrang.

Was aber tun, wenn die Blase Probleme bereitet?

„Wichtig ist es, auf jeden Fall tätig zu werden und nicht zu versuchen, sich damit zu arrangieren“, sagt Prof. Manseck. Denn lästiger Harndrang führt in vielen Fällen zur Inkontinenz. Im Gegensatz zum lästigen Harndrang lässt sich das Wasserlassen dann nicht mehr steuern und wird unkontrolliert. Wer also die Befürchtung hat, gemessen am eigenen Lebensstil zu oft zur Toilette zu müssen, sollte laut Prof. Manseck einen Termin bei einem niedergelassenen Urologen vereinbaren. Dieser wird zunächst eine Befragung durchführen und sich über Ultraschall ein Bild von der Blase und den umliegenden Organen machen. „In manchen Fällen kann man den lästigen Harndrang durch Verhaltenstraining wieder loswerden. Das kann Beckenbodentraining sein oder auch eine Anleitung zum richtigen Trinken“, weiß Prof. Manseck. In anderen Fällen hilft es, Medikamente zu geben oder anzupassen, in wieder anderen Fällen erkennt der Urologe, dass der lästige Harndrang Symptom einer anderen Krankheit ist. „Wenn alle nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft, aber nicht wirksam sind, helfen wir im Klinikum“, sagt Prof. Manseck.

Zwei Therapiealternativen haben sich durchgesetzt

Bei der Behandlung von lästigem Harndrang haben sich vor allem zwei Therapien durchgesetzt: die Behandlung mit Botulinumtoxin und das sogenannte EMDA-Verfahren.

EMDA steht für Elektromotive-Drug-Administration – ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem ein spezieller Katheter in die Harnblase gelegt wird. Im Zusammenspiel mit einer Elektrode, die unter der Bauchdecke angebracht wird, gibt der Katheter ein Medikament ab, das in die Gewebeschichten der Harnblase eindringt und so den Harndrang hemmt. „Der Vorteil an diesem Verfahren ist, dass sehr sicher gute Erfolge erzielt werden und keine Gewöhnung eintritt“, erklärt Prof. Manseck. „Der Nachteil ist, dass es alle drei Monate wiederholt werden muss und noch nicht standardmäßig von den Krankenkassen übernommen wird. Die Kosten, die jährlich zwischen 600 und 1200 Euro liegen, muss der Patient selbst tragen.“ Das sei auch der Grund, warum Probleme mit dem Harndrang etwas häufiger mit dem besser als Botox bekanntem Nervengift Botulinumtoxin behandelt werden.

Seit rund drei Jahren müssen Patienten diesen Eingriff nicht mehr selbst zahlen. Hierbei wird Botox in die Blasenwand eingespritzt und lähmt dort die Nerven. In der Folge wird der Druck auf die Blase erst dann wahrgenommen, wenn sie wirklich voll ist. Die Wirkung hält bis zu eineinhalb Jahren an, bevor der Vorgang wiederholt werden muss. „Eine tolle Methode, die aber auch sehr viel Expertise erfordert“, sagt Prof. Manseck. Denn wird zu viel Botox injiziert, kann es zur vollständigen Lähmung der Blase kommen. Wasserlassen ist dann nicht mehr möglich. Weil sich der Körper an das Botox gewöhnt, muss die Dosis im Laufe der Zeit erhöht werden. „Man muss also immer ganz genau wissen, welche Dosis zu viel für den Patienten und welche zu wenig wäre.“ Prof. Manseck kann hierbei auf viel Erfahrung zurückblicken, er wendet diese Methode bereits seit 15 Jahren an. Eine steigende Zahl von Patienten entscheidet sich jedoch auch für das EMDA-Verfahren.

„Beide Methoden haben ihr Für und Wider“, erklärt der Klinikdirektor. Deshalb gehöre eine gute Beratung vorab für ihn zum A und O. „Mir ist sehr wichtig, dass jeder Patient über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Therapien aufgeklärt wird, bevor er sich entscheidet“, betont er. Denn wenngleich die Eingriffe minimalinvasiv durchgeführt werden, handle es sich noch immer um Operationen. „Und eine OP ist immer der letzte Schritt.“

Vorbeugen für eine gesunde Blase

Prof. Manseck rät, bereits vor dem Auftreten von Harndrangproblemen sein Möglichstes zu tun, um Blase und Körper gesund zu halten. „Verzichten Sie auf übermäßigen Kaffeegenuss und achten Sie auf eine gute körperliche Fitness. Übergewicht kann sich genauso wie Rauchen negativ auf den Harndrang auswirken“, erklärt er. Am besten baue man in sein Training Koordinations- und Beckenbodenübungen ein. „Trinken Sie außerdem genug, aber bitte auch nicht zu viel. Hören Sie auf Ihren Körper, trinken Sie regelmäßig und passen Sie Ihre Trinkmenge dem eigenen Leistungsniveau an.“ Ein Indikator für ein Defizit im Wasserhaushalt ist übrigens der Urin: Ist er sehr dunkel, fehlt dem Körper Flüssigkeit.

 

Prof. Dr. Andreas Manseck, Direktor der Klinik für Urologie und Leiter des Prostata-Karzinom-Zentrums im Klinikum Ingolstadt
Prof. Dr. Andreas Manseck, Direktor der Klinik für Urologie und Leiter des Prostata-Karzinom-Zentrums im Klinikum Ingolstadt

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