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Notfall

Was passiert im OP-Saal?

Was passiert im OP-Saal?

Die meisten Menschen, die schon einmal dort waren, wissen davon nichts mehr. Denn zu diesem Zeitpunkt haben sie tief und fest in Narkose geschlafen. Das Klinikum öffnet die Türen und gibt einen Blick in den OP-Saal und die Abläufe rund um einen chirurgischen Eingriff aus Sicht der OP-Pflege frei.

Eine Operation mit dem OP-Roboter da Vinci in der Urologie des Klinikums Ingolstadt
Im OP-Saal herrscht Teamwork. Lukas Wurzer unterstützt die Assistenzärztin am Patienten, während der Urologe, Prof. Dr. Andreas Manseck, den da Vinci OP-Roboter bedient.

Noch ist die Stimmung bei Lukas Wurzer und Florin Mechiu entspannt. Sie unterhalten sich über die vorabendliche gemeinsame Joggingrunde um den Baggersee. Währenddessen schlüpft Lukas Wurzer in einen großen Kittel, dreht sich um die eigene Achse, so dass der dünne blaue Papierstoff ihn rundum einhüllt. Mit einer Schleife bindet sein Kollege den Mantel geübt am Rücken zu. Dann streift sich der 26-Jährige sterile Handschuhe über.Die beiden OP-Pfleger sind eingespielt, jede Bewegung sitzt, jeder weiß, was der andere tut. Es ist kurz nach halb acht im Zentral-OP des Klinikums Ingolstadt. Für Lukas Wurzer und Florin Mechiu hat gerade die Schicht begonnen. Umacht Uhr ist die erste OP angesetzt. Bis dahin haben die beiden OP-Pfleger jede Menge zu tun.

Perfekte Vorbereitung

„Bereits am Vortag der OP werden mit Hilfe des OP-Plans die Geräte und das Instrumentarium für die Eingriffe aufbereitet und sorgfältig überprüft“, erklärt Kerstin Kempel-Nutz. Sie ist die OP-Leitung und für die pflegerisch-organisatorischen Abläufe im OP des Klinikums verantwortlich. „Als operationstechnische Assistenten (OTA) setzen wir uns über den Patienten und sein Krankheitsbild in Kenntnis und prüfen, ob er spezielle Bedürfnisse mit sich bringt, zum Beispiel auf Grund von Vorerkrankungen, infektiösen Krankheiten oder wegen seines Körperbaus.“ Dies ist bei der ersten angesetzten OP des Tages von Lukas Wurzer und Florin Mechiu nicht der Fall. Auf sie wartet ein Eingriff an der Niere, der mit dem OP-Roboter da Vinci durchgeführt werden wird.

Kerstin Kempel-Nutz, Pflegerische Leitung der OP-Abteilung im Klinikum Ingolstadt
Kerstin Kempel-Nutz, Pflegerische Leitung der OP-Abteilung im Klinikum Ingolstadt

Die Rollwagen mit den Instrumentencontainern haben sie bereits in den Operationssaal gebracht. Bevor die sogenannten Medikalprodukte zum Einsatz kommen, wird jedes Einzelne auf Haltbarkeit und Unversehrtheit überprüft. Nachdem Florin Mechiu die metallenen Boxen geöffnet hat, entnimmt sein Kollege die Instrumente vorsichtig aus der Verpackung und legt sie anschließend auf den Instrumententisch. „Bei einer durchschnittlichen OP wirken in jedem Saal zwei Fachkräfte sowie ein OTA-Schüler mit. Einer der beiden fungiert als OP-Assistent, der andere als sogenannter Springer“, beschreibt Kerstin Kempel-Nutz die standardisierten Abläufe und Verfahren in einem OP. Lukas Wurzer und Florin Mechiu arbeiten jetzt hochkonzentriert. Jedes einzelne Material, das sie aus den Containern entnehmen, wird geprüft, gezählt und dokumentiert. Ein Container kann dabei bis zu 100 Einzelteile enthalten.
Im Operationssaal – wobei die gängige Größenvorstellung für einen Saal übertrieben wäre und es sich eher um einen großen Raum handelt – ist es hell beleuchtet und rund 20 Grad warm. Große Sichtfenster geben den Blick auf die Gänge des Zentral-OPs frei. Der Hightech OP-Roboter steht noch in seiner Parkposition in der Nische. Das Zentrum des Raums ist für den OP-Tisch mit dem Patienten frei. Am Rand liegen die aufgereihten Instrumente bereit für ihren Einsatz.

Volles Vertrauen

Lukas Wurzer macht die letzten Handgriffe,während die Kollegen der Anästhesie den schlafenden Patienten in den Saal fahren. Auch eine Assistenzärztin ist bereits vor Ort, um den Eingriff von ärztlicher Seite vorzubereiten. „Eine Operation ist immer Teamarbeit“, so Kerstin Kempel-Nutz: „Alle Zahnräder müssen perfekt ineinander greifen: Pflegepersonal, Ärzte, Reinigungskräfte und alle Mitarbeiter, die rund um die OP-Logistik arbeiten.“ Das OP-Team bereitet den Patienten für den Eingriff vor. Für die bevorstehende Nierenoperation muss er seitlich gelagert werden. Florin Mechiu und die Assistenzärztin drehen den Patienten daher vorsichtig in die passende Position.Da sein Kollege bereits steril gekleidet ist, kann er dabei nicht mithelfen, sondern überwacht währenddessen den Sterilbereich. Die Anästhesistin achtet darauf, dass der narkotisierte Patient die ganze Zeit sicher versorgt wird. Weiche Polster und Gurte halten ihn während
der Operation stabil. „Der Patient kommt schlafend in den Saal und darf sich ganz auf uns verlassen und uns vertrauen. Während er bei uns ist, wird er von erfahrenen und qualifizierten OP-Assistenten rund um den Eingriff betreut“, weiß die OP-Leiterin.

Zwischenzeitlich ist der durchführende Urologe und Chefarzt der Klinik für Urologie, Prof. Dr. Andreas Manseck, hinzugekommen. „Wir arbeiten just-in-time. Die Chirurgen rufen wir erst kurz vor dem eigentlichen Start dazu“, so Kerstin Kempel-Nutz. Auch er zieht zusätzlich einen sterilen Mantel und Handschuhe über. Der OP-Assistent unterstützt ihn dabei, genauso wie wenig später die Assistenzärztin. Währenddessen deckt Florin Mechiu den Patienten mit einer Wärmedecke ab und platziert die zahlreichen Versorgungsschläuche für den Patienten. Nur der Bauchraum zur Einführung der Operationsinstrumente bleibt frei.Diese Stelle desinfiziert der OP-Assistent anschließend mit einer gelb eingefärbten Alkohollösung.

Medizin und Hightech: Florin Mechiu bringt gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Manseck, dem Chefarzt der Klinik für Urologie, den OP-Roboter da Vinci in Position.
Medizin und Hightech: Florin Mechiu bringt gemeinsam mit
Prof. Dr. Andreas Manseck, dem Chefarzt der Klinik für Urologie, den OP-Roboter da Vinci in Position.

Ein eingespieltes Team

Als letzten Vorbereitungsschritt fährt Florin Mechiu den OP-Roboter da Vinci in Position. Um mit diesem Operationssystem arbeiten zu dürfen, benötigen nicht nur die Chirurgen, sondern auch die OP-Pfleger eine spezielle Ausbildung für robotische Chirurgie. Florin Mechiu und Lukas Wurzer, der zugleich Stellvertreter von Kerstin Kempel-Nutz ist, besitzen diese Zusatzqualifikation und übernehmen daher überwiegend die urologischen Eingriffe. „Als operationstechnische Assistenten in einem Zentral-OP wie dem des Klinikums können wir im Bereitschaftsdienst jedes Fachgebiet abdecken. Selbstverständlich hat auch hier Jede und Jeder Präferenzen. Soweit möglich teilen wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fachspezifisch ein. Eingespielte Teams aus OP-Pflegern und Chirurgen benötigen während eines Eingriffs keine Worte, um sich zu verständigen“, weiß Kerstin Kempel-Nutz aus ihrer eigenen, 30-jährigen Erfahrung als OP-Schwester.
Alle im Saal arbeiten ruhig und konzentriert. Der Operateur gibt letzte Anweisungen,wie die Roboterarme des da Vincis platziert werden sollen. Dann setzt er den ersten Schnitt. Die Aufgabe des Springers während des Eingriffs ist nun, den OP-Ablauf zu überwachen, kurzfristig benötigte Materialen bereitzustellen oder organisatorische Aufgaben zu übernehmen. Lukas Wurzer als OP-Assistent unterstützt während des Eingriffs die Operateure, reicht Klemmen oder Fäden und wechselt die filigranen Instrumente des OP-Roboters.

Größte Sorgfalt

Eine Operation am Nierenbecken dauert in der Regel nicht länger als zwei Stunden. Erst wenn am Ende des Eingriffs die OP-Pfleger das verwendete OP-Material auf Vollständigkeit und Vollzähligkeit überprüft haben und dies den Chirurgen bestätigen, können diese die kleinen Schnitte im Bauch vernähen. Dann ist die Arbeit der Ärzte am Patienten im OP getan und sie verabschieden sich aus demSaal. Die OP-Assistenten entfernen behutsam die Lagerungskissen und Gurte, so dass der Patient in den Aufwachraum gebracht werden kann. Dann beginnt für die OP-Pfleger die Nachbereitung des Eingriffs.

Akribisch zählen die beiden nach dem vier-Augen-Prinzip nochmals alle Instrumente und Materialien und dokumentieren, wie schon bei der Vorbereitung, jeden einzelnen Schritt. „Das ist extrem wichtig und erfordert größte Sorgfalt“, betont Kerstin Kempel-Nutz. Eine Eigenschaft, die operationstechnische Assistenten mitbringen sollten, ebenso wie Teamfähigkeit, ein Verständnis für komplexe OP-Abläufe und Verfahrensstandards, Interesse an der menschlichen Anatomie sowie technisches Geschick und Durchhaltevermögen. Denn Letztere sind vor allem bei langen OPs von Nöten. „Manche Eingriffe dauern mehrere Stunden.Dies berücksichtigen wir im Klinikum bereits bei der Dienstplanung. Bei Bedarf lösen wir uns auch ab“, erklärt Kerstin Kempel- Nutz.

Lukas Wurzer hat nach seinem Abitur eine Ausbildung zum operationstechnischen Assistenten abgeschlossen. Heute ist der 26-Jährige stellvertretender OP-Leiter und studiert nebenberuflich Management in Gesundheitsberufen (B.A.).
Lukas Wurzer hat nach seinem Abitur eine Ausbildung zum operationstechnischen Assistenten abgeschlossen. Heute ist der 26-Jährige stellvertretender OP-Leiter und studiert nebenberuflich Management in Gesundheitsberufen (B.A.).

Für Lukas Wurzer und Florin Mechiu ist der erste Eingriff des Tages abgeschlossen. Die OP-Instrumente sind zur Reinigung und Sterilisation auf dem Weg in die zentrale Sterilgutaufbereitung des Klinikums. Der da Vinci Roboter ist wieder in seiner Parkposition. Den beiden erfahrenen OP-Pflegern bleiben nun ein paar Minuten für eine kurze Pause, bevor sie den gereinigten OP-Saal für den nächsten Patienten vorbereiten und Hand in Hand mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Fachabteilungen für die Gesundheit der Menschen arbeiten.

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